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Überhitzung beim Hund – besondere Risiken für Galgo & Windhund

Überhitzung beim Hund – besondere Risiken für Galgo & Windhund

25. Mai
4 Min. Lesezeit

Wie reguliert der Hund seine Temperatur?


Menschen schwitzen über die Haut – Hunde kaum. Ihre Schweißdrüsen beschränken sich auf die Pfotenballen und leisten einen vernachlässigbaren Kühlbeitrag.


Die primäre Wärmeabgabe erfolgt über das Hecheln: Bis zu 400 Atemzüge pro Minute bewegen Luft über feuchte Schleimhäute, die dabei verdunstende Flüssigkeit kühlt den Körper. Die Zunge fungiert als wichtigster Wärmetauscher.


Das System hat klare Grenzen: Bei hoher Luftfeuchtigkeit sinkt die Verdunstungsrate, und der Hund kann kaum noch Wärme abgeben – egal wie heftig er hechelt.


Die normale Körpertemperatur liegt bei 37,5–39 °C. Ab 41–42 °C drohen irreversible Organschäden, ab 43 °C ist die Überlebensprognose auch mit Behandlung kritisch.



Risikofaktoren


- Hohe Temperatur und/oder hohe Luftfeuchtigkeit (Kombination ist gefährlicher als Hitze allein)

- Geparktes Auto – bei 22 °C Außentemperatur kann die Innentemperatur binnen 10 Minuten auf über 47 °C steigen

- Intensive Bewegung bei Wärme, besonders auf Asphalt

- Übergewicht, Brachyzephalie (Möpse, Bulldoggen), dunkles/dickes Fell

- Junges oder hohes Alter, Vorerkrankungen (Herz, Schilddrüse), bestimmte Medikamente



Klinische Stadien der Überhitzung


🌡️ Hitzestress · 39–40 °C

Starkes Hecheln, Unruhe, gesteigerter Durst. Der Hund sucht aktiv Schatten. Noch reversibel – jetzt handeln reicht.

⚠️ Hitzeerschöpfung · 40–41 °C

Schwäche, taumelnder Gang, Erbrechen, blasse oder gerötete Schleimhäute, vermehrter Speichelfluss. Sofort kühlen und Tierarzt kontaktieren.

🚨 Hitzschlag (leicht) · 41–42 °C

Verwirrtheit, Koordinationsstörungen, blutiger Durchfall, mögliche Herzrhythmusstörungen. Jede Minute zählt – sofort in die Klinik.

☠️ Hitzschlag (schwer) · über 42 °C

Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Multiorganversagen. Lebensbedrohlicher Notfall. Auch nach Überleben drohen Spätschäden an Nieren, Leber und Blutgerinnung – teils erst Tage später.


Wichtig: Die Übergänge zwischen den Stadien sind fließend und können sich innerhalb von Minuten entwickeln. Warte nicht auf eindeutige Symptome – bei Verdacht sofort handeln.


Eine gefürchtete Komplikation ist die disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC): Die Hitze schädigt die Blutgefäße, die Gerinnung wird unkontrolliert aktiviert, Gerinnungsfaktoren werden verbraucht – es kommt paradoxerweise zu inneren Blutungen. DIC ist eine der häufigsten Todesursachen nach schwerem Hitzschlag.


Galgo & Windhunde – warum sie grundsätzlich gefährdeter sind


Schlanke, kurzfellige Athleten – auf den ersten Blick scheinen Windhunde für den Sommer gemacht.

Die Physiologie sagt etwas anderes.

Die erhöhte Gefährdung des Galgos ist keine Frage des Tempos oder der Belastung – sie ist in der Körperkomposition selbst angelegt und gilt bei Hitze immer, auch im ruhigen Alltag.


Kaum schützendes Unterhautfett.

Fettgewebe isoliert – nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Es dämpft die Aufnahme von Umgebungswärme. Galgos haben davon so gut wie nichts. Sonne, heißer Asphalt oder ein warmer Raum wirken sich bei ihnen deutlich direkter auf die Körperkerntemperatur aus als bei Rassen mit normaler Fettschicht.


Dünne Haut, kurzes Einzelhaarfell, kaum Unterwolle.

Kein schützender Puffer zwischen Umgebung und Körper. Was beim Windhund wie ein Vorteil wirkt, ist bei direkter Sonneneinstrahlung oder strahlender Wärme eine echte Schwachstelle – die Wärme trifft nahezu ungefiltert auf die Haut.


Sehr hoher Muskelanteil.

Muskeln produzieren auch in Ruhe Wärme – und bei jedem noch so kleinen Bewegungsimpuls deutlich mehr als Fettgewebe. Da Windhunde einen der höchsten Muskel-zu-Fett-Anteile aller Hunderassen haben, ist ihre Grundwärmeproduktion strukturell höher. Der Körper muss also bei denselben Bedingungen mehr Wärme loswerden als ein Hund mit anderer Körperzusammensetzung.


Großes Herz-Lungen-Volumen.

Das Herz-Kreislauf-System ist auf maximale Durchblutung ausgelegt – was bedeutet, dass der Körper bei Hitzestress stark reagiert und das System schnell an Belastungsgrenzen stößt.


Jagdinstinkt überschreibt Körpersignale.

Galgos zeigen Erschöpfung und Überhitzung oft erst sehr spät oder gar nicht. Ihr Instinkt unterdrückt Warnsignale – sie wirken munter und aktiv, während ihr Körper längst unter Stress steht. Das macht die Einschätzung durch den Halter besonders schwierig.


Rassetypische Blutgerinnungsparameter.

Windhunde haben von Natur aus niedrigere Thrombozytenzahlen und abweichende Gerinnungswerte. Bei einem Hitzschlag mit DIC-Risiko ist das hochrelevant – die Behandlung muss durch einen Tierarzt erfolgen, der diese rassetypischen Werte kennt und nicht fälschlicherweise als pathologisch überbewertet.


Zusatzrisiken bei Adoptionshunden:

Galgos aus dem Tierschutz sind oft untergewichtig, wenig konditioniert und schlecht an das neue Klima akklimatisiert. Trotz athletischem Körperbau sind sie in dieser Phase besonders anfällig.



Symptome erkennen


  • Intensives, kaum unterbrechbares Hecheln

  • tiefrot oder bläulich verfärbte Zunge

  • zähflüssiger oder schaumiger Speichelfluss

  • taumeliger Gang

  • Bewusstseinstrübung

  • Erbrechen oder blutiger Durchfall

  • Zittern, Krämpfe

  • Zusammenbruch


Bei Windhunden besonders: plötzliches Erstarren oder Steifheit, sowie scheinbar grundlose Schwäche auch ohne vorangegangene Belastung.




Erste Hilfe

Sofort Tierarzt oder Notdienst anrufen.

Erste Hilfe überbrückt die Zeit, ersetzt aber keine Behandlung.


1. Aus der Hitze entfernen – Schatten, kühler Raum

2. Kühles (kein eiskaltes!) Wasser auf Pfoten, Leisten, Nacken und Bauch auftragen – Eiswasser verursacht Vasokonstriktion und blockiert die Kühlung (ist der Hund bereits im Schocktustand, sofort mit kaltem Wasser kühlen und zum Tierarzt)

3. Luftstrom erzeugen – Ventilator oder Klimaanlage verstärken die Verdunstungskühlung

4. Wasser anbieten, aber nie in einen bewusstseinsgetrübten Hund einflößen (Aspirationsgefahr)

5. Sofort in die Klinik – Folgeschäden an Nieren, Leber und Blutgerinnung entwickeln sich oft erst Stunden später




Prävention für Windhund-Halter


- Aktivitäten in die frühen Morgenstunden oder nach Sonnenuntergang verlegen

- Asphalttest: Handrücken 7 Sekunden auf den Boden – zu heiß für Sie, zu heiß für die Pfoten

- Auch bei ruhigen Spaziergängen auf Warnsignale achten – der Galgo zeigt sie oft nicht von selbst

- Niemals allein im geparkten Auto lassen

- Kühlwesten (Evaporationsprinzip) sind beim schlanken Galgo besonders effektiv – regelmäßig anfeuchten

- Bei hellfarbigen oder unbehaarten Stellen (Bauch, Nase): Sonnenschutz erwägen

- Einen Tierarzt mit Windhund-Erfahrung suchen, der rassetypische Blutparameter kennt


Man muss bei hochsommerlichen Temperaturen auch keine grossen Spaziergänge machen. Kleine Versäuberungsrunden oder einfach den Tag an einem schattigen Plätzchen im Garten verbringe sind völlig okay.



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